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Kommunikation zwischen Gehirnnetzwerken von Menschen , denen Psylocibin verabreicht wurde (rechts) und einer Kontrollgruppe (links). Petri et al./Proceedings of the Royal Society Interface

Seit tausenden von Jahren ist den Menschen in den verschiedensten Teilen der Welt, besonders aber in Mittel und Lateinamerika, die bewusstseinsverändernde Wirkung bestimmter Pilze bekannt. Ihr Einsatz war oft an religiöse Zeremonien gekoppelt und sollte den Erkenntnisgewinn unterstützen. Im Zuge der Kolonialisierung und der einhergehenden Christianisierung wurde auch indigene Bräuche und Religionen zunehmend verdrängt und das Wissen um die Pilze ging für die westliche Welt verloren. Erst Mitte des des 20.Jahrhunderts gelang es Gordon Wasson und seiner Frau, die Existenz des Fleisches der Götter, wie die Organismen von den Azteken bezeichnet wurden, zu beweisen. Fortan widmeten sie ihr Leben der Erforschung der Zauberpilze.

Die Wirkstoffe, die in den halluzinogenen Pilzen enthalten sind, heißen Psilocybin und Psilocin und wirken ähnlich wie LSD.
Am 29.10.2014 wurde die Studien „Homological scaffolds of brain functional networks“ von G. Petri, P. Expert, F. Turkheimer, R. Carhart-Harris, D. Nutt, P. J. Hellyer und F. Vaccarino veröffentlicht, die die genauen Auswirkungen der Magic Mushrooms, beziehungsweise deren Wirkstoffe auf Probanden untersucht und die Ergebnisse einer Kontrollgruppe gegenüberstellt. Für mich als Laien kamen dabei erstaunliche Ergebnisse heraus.

Die Wirkstoffe Psilocybin und Psilocin unterbrechen nach der Einnahme die gewohnte Kommunikation zwischen den Netzwerken im Gehirn und es verbinden sich Hirnnetzwerke, die normalerweise  nicht miteinander kommunizieren würden. Psilocybin kann dabei relativ kurz anhaltende Halluzinationen hervorrufen – das ist bekannt. Allerdings hat die Droge auch langfristige Effekte. Viele Menschen berichten nach der  Einnahme von intensiven, spirituellen Erfahrungen und einige Studien berichten, dass ein transzendenter Trip die Persönlichkeit des Konsumenten langfristig ändern kann.  Diese Menschen werden grundsätzlich offener gegenüber neuen Erfahrungen und wissen Kunst, Kuriositäten und Emotionen mehr zu schätzen. Außerdem schätzen viele einen Pilztrip als die tiefschürfendste Erfahrung ihres Lebens ein- noch vor der Geburt ihrer eigenen Kinder.

Premierenpilz Psilocybe mexicana, aus diesem Gewächs wurden als erstes die Wirkstoffe extrahiert. Credit: Cactu, Wikipedia

Netzwerken mit Pilzen

Wissenschaftler wissen schon lange, das sich der Wirkstoff Psilocybin mit Rezeptoren für Serotonin verbindet, welches ein Gewebshormon und Neurotransmitter ist und maßgeblichen Einfluss auf unsere Stimmung, Appetit oder das Schlafverhalten auswirkt. In vergangen Arbeiten wurde festgestellt, dass die Droge das Hirn in einen traumähnlichen Zustand versetzt und die Hirnaktivitäten verringert. In der nun vorgestellten Studie wurden die Hirnaktivitäten von 15 gesunden Freiwilligen mittels funktioneller Magnetresonanztomographie jeweils nach der Einnahme eines Placebos und nach der Einnahme von Psilocybin untersucht. Dabei wurden nur Probanden ausgewählt, die bereits Erfahrungen mit MRT- Untersuchungen hatten und dabei keinerlei Anzeichen von Panikanfällen aufwiesen.  Anschließend wurden die Hirnaktivitäten vergleichend gemessen und daraus Karten abgeleitet, die die Verbindungen der verschiedenen Hirnregionen visualisiert. Psilocybin sorgte bei allen Probanden dafür, dass die Hirnorganisation drastisch umgewandelt wurde und normalerweise von einander getrennte Regionen nicht nur miteinander verbunden, sondern auch stark synchronisiert wurden. Daraus kann man schließen, dass die Droge die Langzeitverbindungen im Gehirn stimuliert, was normalerweise nicht passieren würde. Nach de Absetzen der Droge normalisierte sich die Hirnaktivität wieder.

Psilocybin könnte dabei einen Zustand im Hirn verursachen der einer Synästhesie ähnelt. Was das ganze soll? Die Pilze und deren Wirkstoffe könnten dabei helfen, eine neue Behandlungsmöglichkeit für Depressionen zu finden. So berichten einige Patienten beispielsweise von einer dauerhaften Stimmungsaufhellung nach nur einmaliger Einnahme. Außerdem könnte diese Forschung grundlegende Fragen nach der Entstehung des eigenen Bewusstseins klären.

Falls euch das Thema weiter interessiert, kann ich euch die nachfolgende Doku ans Herz legen, die sich mit den historischen Aspekten der Zauberpilze beschäftigt – extra für euch in low definition.