Alles was du besitzt, besitzt irgendwann dich. (Fightclub)

Wenn man nicht grade in einer einsamen Höhle lebt, wird man heutzutage nahezu überall mit Statussymbolen und Konsum konfrontiert. Alle versprechen das Glück, dieses oder jenes noch, dann bist du endlich vollständig, anerkannt, glücklich, dann siehst du endlich aus wie unsere Photoshop Werbemodels usw. Und wenn man dieses oder jenes dann hat, kommt das Nächste. So erging es mir vor einiger Zeit auch. Das erste eigene Geld verdient und plötzlich konnte man sich all diese tollen Dinge leisten. Dank Amazon musste man nicht mal mehr vor die Tür gehen, ein Klick und Morgen steht das Paket vor der Tür.

Doch das Glücksgefühl, welches durch all den Besitz ausgelöst wurde, hielt immer kürzer an. Irgendwann machte ich die Pakete gar nicht mehr auf. Mir wurde klar, dass es Zeit ist, umzudenken. Auf der Recherche nach anderen Lebensphilosophien kam ich das erste mal mit dem Minimalismus in Berührung, über welchen ich heute einige Gedanken los werden möchte.

Was ist Minimalismus?

Minimalismus bedeutet, einfach gesagt, mit so wenig wie notwendig auszukommen. Es gibt keine Vorschriften was du besitzen darfst oder was nicht. Was für dich wirklich notwendig ist, entscheidest du alleine. Wenn es das teure Notebook mit dem Apfel ist, so sei es, wenn du nicht ohne 70″ TV oder zwei Autos leben kannst, dann ist das halt so. Minimalismus bedeutet einfach zu hinterfragen, warum man dieses oder jenes braucht. Müssen es zwei Autos sein? Ist es wirklich notwendig, dass da vier Ringe auf dem Auto sind oder ein Apfel auf dem Computer? Benötigt man wirklich eine so große Wohnung, die man mit hunderten Sachen vollstellt? Muss der neue Fernseher 70″ Bildschirmdiagonale haben? Braucht man überhaupt einen Fernseher?

Oder dient all dieser Besitz vielleicht dazu, einen Mangel an anderer Stelle ausgleichen, andere zu beeindrucken oder die eigene Leere im Leben zu füllen?

Minimalismus bedeutet, zu hinterfragen was wirklich notwendig ist und all jene Dinge, für die du diese Frage nicht mit einem klaren Ja beantworten kannst, wegzugeben.

Bedeutet Minimalismus Verzicht?

Oberflächlich betrachtet verzichtest du auf Dinge, ja. Auf den zweiten Blick wird dir aber vielleicht klar, dass du nicht wirklich verzichtest. Zum einen hast du ja selbst entschieden, dass der jeweilige Gegenstand nicht notwendig war und zum anderen gewinnst du auch vieles dazu, wie nachfolgend erläutert. Das Ganze hängt natürlich auch davon ab, wie weit du das Ganze treiben willst. Es gibt Leute, die nur noch mit 100 Gegenständen auskommen. Ich kann mir in solchen Fällen schon vorstellen, dass das mit einem gewissen Verzicht einhergeht.

Welche Vorteile hat es, minimalistisch zu Leben?

All dieser Besitz macht dich unfrei. Wer das teure Notebook mit dem Apfel oder sonstige Statussymbole haben will, muss mehr dafür arbeiten, als jemand dem ein günstigeres Modell reicht, sofern er denn ein Notebook benötigt. Wenn es Gründe für den Apfel gibt, oder es dir das wert ist, tu es. Niemand wird hier angegriffen oder verurteilt. Das Gleiche gilt für alle, die anderen Statussymbole, ob da nun ein Stern auf dem Auto ist oder 4 Ringe, du kommst damit letztendlich auch nur von A nach B. Genauso wie vielleicht mit dem Zug oder der Mitfahrgelegenheit 😉 Mit ein bisschen Glück machst du dich dann auch gleich von den oberflächlichen Leuten frei, die aufgrund dieser Dinge mit dir zusammen sind. Jeglicher Besitz kostet dich Zeit, du musst dafür arbeiten, musst dich entscheiden, musst es kaufen, pflegen, putzen und irgendwann wegwerfen usw..

Und Lebenszeit ist mit das Wichtigste wir haben, denn sie ist endlich. Und auch all die Leute die immer sagen Zeit sei Geld, werden ihren Irrtum spätestens dann einsehen, wenn ihre Zeit zu Ende und ihr Geld noch da ist.

Neben der gewonnenen Zeit ist der zweite große Vorteil die gewonnene Freiheit. Zum einen, weil du dich nicht mehr um diesen Besitz kümmern musst und zum anderen befreist du dich aus diesem ewigen Kreislauf aus Arbeiten, Kaufen, mehr Arbeiten, noch mehr Kaufen usw. Du machst dich auch frei von all diesen Vergleichen mit anderen, die vielleicht schon 5 Ringe auf dem Auto haben 😉 Ein weiterer Vorteil ist mehr Glück und Zufriedenheit, wer sich mehr auf das konzentriert was er hat, anstelle immer nur zu gucken was ihm noch fehlt, wird glücklicher und zufriedener sein. Zu guter Letzt sei dann natürlich auch noch erwähnt, dass du auf diese Weise Geld sparst, welches du anderweitig einsetzen kannst.

Wohin mit der gewonnenen Zeit, der Freiheit und dem Geld?

Das wirst du selbst herausfinden müssen. Aber einen Denkanstoß möchte ich geben. Versuche vom Besitzen wegzukommen, hin zum Sein. Ein tolles Buch dazu ist von Erich Fromm, vom Haben zum Sein. Sammle schöne Momente anstelle von Besitz. Geh auf Reisen, mach etwas schönes mit Freunden oder deinem Partner. Denn das teure Apfel Notebook wird bald veraltet oder der künstlichen Obsoleszenz zum Opfer gefallen sein. Wenn du in vielen Jahren auf vergangene Zeiten zurückblickst, wird es keine Rolle mehr spielen, ob da ein Stern auf dem Auto war. Aber wer dich auf deinen Wegen begleitete, oder ob du zur Arbeit oder vielleicht in einen schönen Urlaub gefahren bist, das zählt und wird auch nie verrosten, oder an Wert verlieren.

Klingt gut, aber gibt es auch Nachteile?

Freiheit, mehr Zeit, mehr Geld, klingt ja alles erstmal gut. Doch auch hier gibt es einen Nachteil. Es kann manchmal unbequem sein. Unsere Wirtschaftssystem basiert auf immer mehr Wachstum. Das funktioniert nur, wenn alle immer mehr wollen. Von klein auf wird dieses Status- und Konkurrenzdenken in unsere Köpfe gepflanzt. Bekomme gute Noten, damit du dir viel leisten und eine Karriere machen kannst. Immer schneller, besser und weiter bis zum Burn Out oder der Depression. Dann gucken wieder alle verwundert, er hatte doch so viel erreicht. Deshalb wird es immer wieder Leute geben, die dich bewusst oder unbewusst auf den alten Pfad zurückbringen wollen, siehe dazu auch den nächsten Abschnitt über Wissen und Sicherheit. Etwas zu tun, was alle tun, ist immer einfach und bequem. Seinen eigenen Weg zu gehen, kann schwer sein.

Und der zweite mögliche Nachteil ist, dass du vielleicht mehr selbst Denken musst. Alles zu Kaufen und irgendwelchen durch die Medien geprägten Idealen hinterher zu laufen erfordert keinen Verstand. Aber selbst frei zu entscheiden, was man mit seinem Leben und seiner Zeit tut, kann auch anstrengend sein.

Die minimalistische Geisteshaltung

Diese innere Haltung und der Weg dahin wird in weiteren Texten ausführlicher dargelegt, aber kurz zusammengefasst: Räum nicht nur Außen und um dich herum auf, sondern auch in deinem Inneren. Frag dich bei Gedanken oder Glaubenssätzen ob sie dich weiterbringen. Frag dich bei Vorurteilen, ob sie wirklich notwendig sind. Räum in deinem Kopf auf. Viele in dieser Konsumgesellschaft betrachten ihr „Wissen“ als Besitz, welches ihnen ein Gefühl von Sicherheit verleiht, welches sie beschützen müssen. Und wenn jemand ihr Wissen oder Vorurteil widerlegt, fühlen sie sich persönlich angegriffen. Sie haben Angst, jemand würde ihnen etwas wegnehmen und verteidigen dementsprechend ihren Standpunkt, ohne wirklich zuzuhören oder offen zu sein für das, was der andere zu sagen hat. Mit einer der Gründe warum Diskussionen manchmal im Streit enden. Schwarz-Weiß-Denken an alten Mustern festhalten und seinen Geist zu verschließen ist einfacher.

Aber die minimalistische Geisteshaltung ist offen und frei von derartigen Balast. Diese Angst vor Unbekanntem, neuen Gedanken und seine Vorurteile abzulegen, ist der vielleicht viel größere und schwerere Schritt auf dem Weg zum Minimalismus. Während die äußeren Dinge schnell verschwinden, ist die innere Wandlung ein Prozess, welcher das ganze Leben dauern kann. Deshalb werde ich an anderer Stelle diesen Weg dahin vertiefen.

Wie werde ich Minimalist?

Letztendlich hängt das natürlich von deinem derzeitigen Leben ab.

Ich denke, dass es für all die großen Lebensbereiche wie Gesundheit, Soziales, Finanzen, Bildung usw. verschiedene Ansätze gibt. Diese werden in separaten Texten eventuell nochmal betrachtet, heute liegt der Fokus zunächst auf dem Besitz.

Wie gesagt, trenne dich zunächst von unnötigem. Gehe einmal am Tag durch die Wohnung und wenn du etwas unnützes gefunden hast, gib es weg. Ein Alternativer nicht ganz so radikaler Ansatz ist es, die Gegenständen zunächst in den Keller zu stellen. Nachdem sie dort 6 Monate standen oder wenn der Keller voll ist, gibst du sie weg. Spätestens beim nächsten Umzug wirst du dir selbst dafür danken können.

Wenn deine Errinerungen an einigen materiellen Dingen hängen, wie CDs oder Deko Stücken, welche ein Geschenk waren, frag dich, ob es vielleicht nicht auch ein Foto tut oder die mp3. Bei mir sind über die Jahre viele Dinge weggegangen und bis heute habe ich nichts davon vermisst. Auch nicht das Auto mit dem Stern.

Andere Blogs zum Thema Minimalismus

Es gibt diverse Blogs zu diesem Thema. Zum Abschluss möchte ich all denjenigen, die bis hier unten gelesen haben noch einige Links mit auf den Weg geben. Dort findet ihr auch weitere praktische Tipps und Infos rund um Minimalismus.

https://minimamuse.wordpress.com/

http://www.minimalismus-leben.de/

http://malmini.de/

http://www.einfachbewusst.de/

http://www.schlichtheit.com/

http://mrminimalist.com/minimalismus/

http://zenhabits.net/

 

Weitere Ressourcen

Zwei Bücher zum Thema möchte ich dir empfehlen:

3404664361 Genug: Wie Sie der Welt des Überflusses entkommen

B00ORNN6D4 Minimalist: Mehr Freiheit. Mehr Geld. Mehr Glück.

Und auch auf YouTube gibt es natürlich wie immer viele spannende Inhalte, seht euch dort einfach mal selber um nach dem Schlagwort Minimalismus:

 

 

In dem Sinne, minimalistisch wie ich bin, erspare ich dir heute das legendäre Schlusswort.
Ich würde mich bei diesem Thema besonders freuen, auch andere Sichtweisen zu erfahren, also meldet euch per Kontaktformular, Mail oder Facebook.