Cogito, ergo sum?

Cogito, ergo sum: Ich denke, also bin ich, sagte der französische Philosoph Descartes einst. Er war damals auf der Suche nach einer unumstößlichen Wahrheit, einem unerschütterlichen Fundament, auf das er seine Theorien und Gedanken stützen kann. Logisch betrachtet leitet Descartes aus „ich denke“ ab, dass er existiert. Jedoch kann man aus einer Existenzaussage nichts über das Subjekt ableiten, sondern nur über das Prädikat. Also aus „ich denke“ folgt nicht „ich bin“, sondern dass es etwas gibt, das denkt. Und genau darum geht es in dem heutigen Artikel, das Denken, das Sein und das, was da denkt.

Zu viel Denken als Problem

Müssen wir wirklich immer denken, um zu sein? Hört ein Meditierender, der die Gedanken stoppt und sich nur auf seinen Atem konzentriert, auf zu sein? Nein, also können wir festhalten, dass die umgekehrte Schlussfolgerung, nämlich dass Denken Vorraussetzung für das Sein ist, nicht wahr ist. Zu viel zu Denken ist oftmals eher eine Belastung für die Betroffenen. Die zu starke Identifikation mit unseren Gedanken kann eine Ursache für Leid und Schmerz sein.

Zum ersten Mal kam mir der Gedanke zu Schulzeiten. Während der Lehrer vorne sein übliches Zeug redete, sah ich wie so oft aus dem Fenster und beobachtete die Vögel.

Während der Vogel von Ast zu Ast fliegt, tut er das einfach. Mal diesen Baum, mal jenen, er existiert, auch ohne zu denken. Nicht nur die Freiheit des Fliegens ist dabei durchaus faszinierend, sondern ebenfalls die Freiheit von Gedanken. Er landet auf einem Ast, er fliegt weiter. Er überlegt nicht vorher, wie es wohl auf dem nächsten Ast sein könnte, wägt all die potenziellen Zieläste ab, er bereut es nicht, den letzten Ast verlassen zu haben. Der Vogel fragt sich nicht, auf welchem Ast er wohl in 4 Jahren sitzen wird, er bereut es nicht, auf einem Ast mal nicht gesessen zu haben, er sorgt sich nicht um den nächsten Ast und wägt nicht ständig ab. Er guckt nicht ob ein anderer Vogel eventuell auf einem größeren oder schöneren Ast sitzt. Er macht sich keine Gedanken darüber ob dieser Ast auf dem er sitzt, zu der Farbe seiner Federn passt.

Kurz gesagt, er ist frei von all den negativen Gedanken, die uns manchmal quälen. Er kann uns vielleicht mehr über das Leben beibringen als so mancher Lehrer in der Schule.

Achte auf deine Gedanken

Unser Verstand sollte ein Werkzeug sein, das wir benutzen, wenn wir es benötigen. Zu viel Nachdenken macht unglücklich. Was das Leben und das Sein wirklich ausmacht, das geht über unseren Verstand hinaus. Deshalb sollten wir auch nicht versuchen, alles immer mit dem Verstand zu ergründen. Manchmal sind wir dadurch so sehr in Gedanken gefangen, dass wir die wahre Schönheit eines Augenblicks gar nicht mehr wahrnehmen. Buddha soll mal gesagt haben, wenn wir das Wunder einer einzigen Blume erkennen könnten, würde sich unser ganzes Leben ändern. Doch das können wir nicht mit dem Verstand. Unser Verstand kann die Blume benennen, vielleicht wissen die Biologen unter uns auch noch ein paar Fakten. Aber das dort Atome und noch kleinere Teilchen aus völlig unbekannten Gründen diese faszinierenden Formen und Farben annehmen, das kann der Verstand nicht sehen und können wir weder mit Worten noch Gedanken erfassen. Von daher versuche ich es hier auch nicht weiter 😉

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden zu Worten.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden zu Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden zu Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal. (sgm. Charles Reade)

Wie mit zu vielen oder negativen Gedanken umgehen?

Einstein sagte einst, dass Probleme nie auf derselben Ebene gelöst werden können, auf der sie entstanden sind. Du verlässt die Ebene der Gedanken in dem Moment, in dem du aufhörst, dich mit deinen Gedanken zu identifizieren und erkennst, dass du nicht deine Gedanken bist, sondern das Bewusstsein, welches die Gedanken wahrnimmt, sonst könntest du dich ja nicht beim Denken beobachten.

Du bist auch nicht deine Trauer oder dein Schmerz, dies sind körperliche Reaktionen auf deine Gedanken. Also verlasse die gedankliche Ebene, auf der die Probleme entstanden sind, achte auf deine Gedanken, beobachte sie, aber identifiziere dich nicht mit ihnen. So erlangst du die Kontrolle über dich zurück. Ganz wichtig ist es dabei auch, sie nicht zu unterdrücken, es gibt Studien, die belegen, dass dies genau zum Gegenteil führt, aber dazu in einem anderen Artikel mehr. Interpretiere auch nicht, urteile nicht, beobachte einfach nur.

In diesem Sinne sollte der Satz also richtig heißen: „Ich bin.“. Versuche mehr, wie der Vogel zu sein und weniger über Zukunft, Vergangenheit oder was andere über dich denken könnten, nachzudenken. Lebe mehr im Moment und versuche, den Kopf auch mal auszuschalten.

Für mehr Ideen, wie man den Kopf auch mal leer bekommt, holt euch unbedingt das Hörbuch „Freiheit von Gedanken“ von Eckart Tolle, oder für die Leute die lieber lesen „Stille spricht“, ebenfalls von ihm. Und wenn ihr mehr kostenlose Artikel von uns wollt, folgt uns auf Twitter, Facebook oder Google+ und tragt euch in unseren Newsletter ein.