Obwohl ich eigentlich kein großer Freund von sozialen Netzwerken bin, sind sogar gleich zwei Artikel entstanden. Nächste Woche folgt der Zweite über das Thema, wie Facebook und co. eigentlich mit dir Geld verdienen. Aber zunächst heute 5 positive Veränderungen, wenn du weniger auf Facebook unterwegs bist.

1. Du hast mehr Zeit

Im Durchschnitt verbringen Internetnutzer über 22% ihrer gesamten online Zeit auf Facebook und co. Soziale Netzwerke sind damit die Traffic Quelle Nummer eins im Internet. Wenn es dich glücklich macht den ganzen Tag Katzenbilder anzusehen und du unbedingt wissen musst, was Unglaubliches geschah, als er die Tür öffnete, womit ja überhaupt niemand jemals rechnen konnte!!!!!, dann bleib dabei und werde damit glücklich. Aber frag dich mal, was Facebook dir wirklich bringt und was es kostet? Ist die Zeit sinnvoll genutzt, die du auf Facebook verbringst? Oder gibt es vielleicht andere Dinge, die dich deinen Zielen näher bringen? Ist es wirklich erstrebenswert, sich den ganzen Tag die gestellten Selfies und das Leben anderer Leute anzusehen? Oder ist es nicht vielleicht reizvoller, stattdessen sein eigenes Leben zu leben und so zu gestalten, wie man es sich wünscht? Wenn du weniger Zeit auf Facebook verbringst, hast du auf jeden Fall mehr Zeit dafür.

2. Du wirst von weniger unnützen Informationen überflutet

Facebook bietet den Newsfeed, das ist die Startseite, die du nach dem Login siehst mit einer Reihe von Beiträgen. Was in diesem Newsfeed erscheint, bestimmt der sogenannte Edge Rank. Facebook berechnet mit dessen Hilfe, was für dich interessant sein könnte, und zeigt dir gezielt diese Einträge an z.B. gezielte Werbung. Jeder kann in Facebook Werbeanzeigen kaufen, diese erscheinen dann dort im Newsfeed als gesponserte Beiträge. Geh jetzt mal direkt auf deinen Newsfeed und betrachte mal ganz genau welche dieser Informationen, die du dort siehst, wirklich wichtig für dich sind? Wie viele der Leute in deiner Freundesliste sind für dich wichtig? Ist es wichtig für dich, wer mal wieder wo feiern war? Oder das nächste Duckface zu sehen von einer entfernten Bekanntschaft?

Ein spannender Fakt dazu ist, dass laut Studien über soziale Netzwerke geteilte Inhalte ohnehin nur eine „Lebensdauer“ von 3 Stunden haben. Die größte Anzahl von Aufrufen erfolgt in den ersten 60 Minuten. Danach ist der Inhalt praktisch schon wieder veraltet. Du hast also, wenn du dann mal eine weile nicht auf Facebook reinguckst, auch nichts verpasst, was nicht ohnehin schon wieder veraltet wäre. Die wirklich wichtigen Informationen überleben diesen Zeitraum und werden dich auf anderen Kanälen sicher auch erreichen.

3. Du bist glücklicher und hast weniger Stress

Das Problem hier ist, dass wir Menschen dazu neigen, uns mit anderen zu vergleichen. Wenn wir den ganzen Tag nur glückliche Leute sehen, tolle Bilder aus dem Urlaub usw. und uns mit diesem dargestellten Ausschnitt aus dem Leben der anderen vergleichen, ist das genauso wie der Vergleich unseres Körpers mit dem irgendwelcher Photoshop Models aus der Werbung, es macht uns zwangsläufig unsicher über uns selbst und kann uns das Gefühl geben, nicht gut genug zu sein. Aber du vergleichst dich nicht mit einer realen Person oder einem realen Alltag, sondern mit dem was andere zur schau stellen, einem manipulierten Bild ihrer selbst. Studien dazu belegen, dass es sogar zu depressiven Symptomen kommen kann.

Ebenfalls kann Facebook auch zu erhöhtem Stress führen, weil wir uns unter Druck setzen, auch so sein zu müssen. Ebenfalls tolle Dinge posten zu müssen, genauso viele likes zu haben usw. Genauso kann es Stress auslösen, ständig erreichbar zu sein per Twitter, Facebook Messenger, Whats App und wie sie alle heißen. Mittlerweile sind all die sozialen Netzwerke ja auch auf dem Smartphone fleißig am Zeit klauen.

4. Kein Zwang zur Selbstdarstellung

Natürlich siehst du nicht nur die tollen Ausschnitte aus dem Leben anderer. Du willst natürlich auch mit allen Mitteln dich und deinen eigenen Ausschnitt so positiv wie nur möglich darstellen. Das kostet ebenfalls viel Zeit und Energie. Studien haben hier gezeigt das 70% der Posts auf Facebook die in das Textfeld eingegeben werden so nie abgeschickt werden. Du trittst in einen Wettbewerb um likes, Kommentare und all diese virtuelle soziale Anerkennung ein. Einige scheinen Facebook auch zur reinen Selbstdarstellung zu nutzen, wie sozial ist es, sich mit dicken Autos oder ähnlichen Statussymbolen zu fotografieren? Profitiert irgendjemand von all diesen Selbstdarstellungen, außer dem Ego des Posters? Studien zeigen, dass grade die Leute die auf Facebook am aktivsten sind, oftmals narzisstische und unsichere Persönlichkeiten haben. Wichtig ist hier noch mal klarzustellen, dass es sicher nicht alle betrifft und nur weil jemand ein schönes Bild postet, fällt er nicht zwangsläufig in diese Kategorie. Aber wer nicht mal mehr in Ruhe essen kann, ohne es vorher auf Facebook allen mitzuteilen, sollte das überdenken.

5. Du wirst zufriedener und selbstsicherer

Wenn du zu den Leuten gehörst, die gerade arbeiten müssen oder andere Ziele im Leben hast als feiern und Ablenkung, dann kann Facebook unzufrieden machen. Ständig siehst du all diese Leute nur feiern oder wo sie grade mal wieder sind. Das fördert die Unsicherheit und vor allem auch die Angst, etwas zu verpassen. Du hast das Gefühl, dass alle anderen mehr erleben als du. Dabei müssen wir uns hier immer wieder bewusst machen, dass wir nur einen Ausschnitt aus dem Leben anderer sehen, und in der Regel nur den besten. Mit wahrer menschlicher Nähe oder damit Menschen näher zusammenbringen, hat das leider gar nichts zu tun. Wahre Freundschaft zeigt sich in den schlechten Zeiten. Nicht die Leute, die deine Selfies liken sind deine Freunde, sondern die, die vorbeikommen und für dich im realen Leben da sind, wenn es grade mal kein Highlight zum posten gibt.

Fazit: Wie sozial sind soziale Netzwerke denn wirklich?

Dazu habe ich mal die Wikipedia Definition von sozial herausgesucht. Das Adjektiv sozial, von französisch social und lateinisch socialis, ist ein Synonym zu „gesellschaftlich“ und im erweiterten Sinn zu „gemeinnützig, hilfsbereit, barmherzig“.[1]

Den erweiterten Sinn können wir glaube ich guten Gewissens streichen, was bleibt, ist gesellschaftlich. 82% aller Internetnutzer sind in sozialen Netzwerken aktiv. In dem Sinne kann man schon von sozial sprechen, und wenn die Netzwerke voll sind, von Ablenkungen, Katzenbildern, oberflächlichen Bekanntschaften und Selbstdarstellungen spiegelt das die Gesellschaft dann vielleicht doch ganz gut wieder. In dem Sinne sind die Netzwerke dann auch sozial. Und natürlich werden auch alle grade die Nachrichten oder öffentliche Diskussion beherrschenden Themen in sozialen Netzwerken ausführlich behandelt. Man kann sich dort also auch durchaus informieren und einen Überblick darüber verschaffen, was derzeit grade so gesellschaftlich angesagt ist. Grade bei Trends und wirklich aktuellen Informationen sind sie natürlich viel aktueller als klassischen Medien.

Wie man mit den sozialen Netzwerken umgeht, bleibt letztendlich jedem Selbst überlassen. Wenn man es nicht übertreibt, nicht vergisst, dass man immer nur einen Auszug aus dem Leben anderer sieht, sich der Datensammlung bewusst ist und ggf. Gegenmaßnahmen trifft, und es als nützliche ergänzende Form der Kommunikation sieht, denke ich, dass man auch durchaus einen positiven Nutzen aus sozialen Netzwerken ziehen kann. Es gibt spannende Gruppen, Seiten und viele Leute dort. Es gibt aber auch viele negative Aspekte und vor allem Ablenkungen und unnütze Informationen. Also was man daraus macht, liegt wohl bei jedem Selbst. Ich rate aber jedem, es einfach mal zu probieren, für eine Weile ohne Facebook auszukommen.